Wutscheln und Wedeln!

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Zutiefst entspannt und ein bisschen abgeschlagen sitze ich also auf der Fähre nach einem langen Uni-Tag. Man kenn das ja: gerädert, der Kopf scheint kaum noch in der Lage zu sein seine Synapsen in Schwung zu bringen – Denken ist Arbeit!

Ausnahmsweise habe ich keine Musik in den Ohren, sondern genieße das Rauschen des Wassers. Nebenher habe ich natürlich mein iPhone in der Hand und tue so dies und das. Ein bisschen Instagram ein bisschen Whats App ein bisschen Feedly News. Unterschwellig merke ich wie ein altes Ehepaar stetig zu mir herüber schaut, dann wieder zueinander spricht und wieder herüber schaut. Intuitiv fasse ich mir an den Kopf und streiche meine Haare glatt, suche mit meinen Fingern eventuelle Störungen, wie Essensreste in meinem Gesicht, aber alles scheint normal zu sein. Warum also schauen die beiden so gebannt zu mir herüber? Angestrengt spitze ich meine Lauscher und zu hören worüber die beiden tuscheln. Ich schnappe ein paar Fetzen auf : „..na guck mal die streicht da so drüber, einfach so mit dem Finger“ – „Und das in einer Geschwindigkeit…was diese jungen Leute alles können…“

Und da klingelt es bei mir: das alte Ehepaar schaut mir fasziniert dabei zu wie ich mein iPhone bediene. Wischen, tippen, scrollen. Versetzt man sich man in die Lage dieser Generation, beide etwa um die 80, muss das tatsächlich eine sehr verrückte Wirkung haben, wie eine junge Frau auf einem kleinen schwarzen Gerät sämtliche Fingerakrobatik betreibt. Im gleichen Augenblick erinnerte ich mich auch an eine spannende Medientheorie aus dem ersten Semester: Marcel Maus und seine Körpertechniken. In diesem Aufsatz beschreibt er nämlich ganz genau, dass die Medien unsere Bewegungsformen steuern und prägen. Diese etablieren sich dann in der Gesellschaft. Aus diesem Grund ist es für uns als jüngere Generationen eigentlich schon fast logisch, dass man auf einem Touch Screen wischen, zoomen und tippen kann – diese Körperpraktiken haben sich durch Medien kulturell bereits gefestigt. Hätte uns jemand vor 20 Jahren ein Smartphone in die Hand gedrückt, dann hätten wir vermutlich erst einmal die Knöpfe und Tasten zum bedienen gesucht, oder uns gewundert warum das Teil keine Gummiantenne hat.

Das Aufkommen neuer Medien heißt also immer auch eine Neueinstellung unserer verinnerlichten Bewegungen. Ältere Menschen sind mit einen völlig anderem Repertoire an Medien aufgewachsen, sodass ihnen ein iPhone in der Bedienung erstmal ein großes Fragezeichen in die Augen zaubert. Daher sollte man sich immer mal wieder bewusst machen, welche Schwierigkeit es darstellen kann für Oma und Opa mit dem „neumodischen Technik-Schnick-Schnack“ zurecht zu kommen. Ihr Körper hat es nie lernen können und die Kultur in der sie aufgewachsen sind, beinhaltete diese Praktiken nicht.

 

Schnell ziehe ich noch mein iPad aus der Tasche, da ich ein Dokument bearbeiten muss. Dafür ist das Smartphone einfach zu unpraktisch. Gespannt lausche ich welche Reaktion nun kommt:

„Karl, guck mal, jetzt holt sie das Ding in einer Nummer größer raus!“

Ich schmunzle.

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3 Kommentare

  1. Da wird aber manchmal auch gelästert ‚die können nur noch auf das Ding schauen, ob die noch miteinander reden können?‘
    😉
    Naja, wenn man die Teile dann mal beruflich nutzt mit Email und Terminsynchro etc. kann es schon auch mal belasten, immer erreichbar zu sein. Wie heißt es so schön: früher war es ein Luxus ein Handy zu haben, heute ist es Luxus keines haben zu müssen.

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  2. Das ist eine süße Geschichte. Ich kann mir die beiden Leutchen bildhaft vorstellen, wie sie staunen.
    Mein Vater, würde er denn noch leben, wäre allerdings ganz scharf auf ein Smartphone. Er hat sich im Alter sehr für PC & Co. interessiert. 🙂

    Liebe Grüße,
    Vera

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